Die Blutegeltherapie gehört zu den ältesten Heilmethoden der Medizin und erlebt heute eine bemerkenswerte Renaissance. Besonders medizinische Blutegel wie die von Medirud werden in verschiedenen Gesundheitsbereichen eingesetzt – von chronischen Schmerzen bis hin zu Durchblutungsstörungen. Dieser Artikel erklärt die Funktionsweise, Anwendungsgebiete und den Ablauf einer Blutegelbehandlung verständlich und praxisnah.
Was Sind Medizinische Blutegel?

Medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) sind speziell gezüchtete Egel, die in kontrollierten Zuchtanlagen unter strengen hygienischen Bedingungen aufwachsen. Anders als ihre wildlebenden Verwandten werden sie ausschließlich für therapeutische Zwecke eingesetzt und nach einmaliger Anwendung fachgerecht entsorgt.
Die Geschichte der Blutegeltherapie reicht bis in die Antike zurück. Schon damals erkannten Heilkundige die positive Wirkung dieser Tiere auf verschiedene Beschwerden. Heute werden die Egel nach modernsten Standards gezüchtet, hauptsächlich in Deutschland, Frankreich und der Türkei. Medirud gehört zu den führenden Anbietern zertifizierter medizinischer Blutegel, die den Anforderungen des Arzneimittelgesetzes entsprechen.
Ein medizinischer Blutegel ist etwa 3 bis 8 Zentimeter lang und verfügt über drei Kiefern mit insgesamt etwa 240 winzigen Zähnchen. Mit diesen kann er die Haut des Patienten sanft anritzen. Der Saugvorgang dauert in der Regel 30 bis 90 Minuten, wobei der Egel zwischen 10 und 20 Milliliter Blut aufnimmt. Währenddessen gibt er seinen Speichel in die Wunde ab – und genau hier liegt das therapeutische Geheimnis der Behandlung.
Wirkstoffe Im Speichel Der Blutegel
Der Speichel des medizinischen Blutegels enthält einen einzigartigen Cocktail aus über 100 verschiedenen bioaktiven Substanzen. Die wichtigsten Wirkstoffe sind Hirudin, Egline und Hyaluronidase, die jeweils spezifische Aufgaben im Heilungsprozess übernehmen.
Hirudin ist der bekannteste Wirkstoff und wirkt stark gerinnungshemmend. Es verhindert die Blutgerinnung, wodurch das Blut während und nach der Behandlung länger fließen kann. Diese Eigenschaft ist besonders wertvoll bei der Behandlung von Durchblutungsstörungen und Thrombosen. Die blutverdünnende Wirkung hält noch Stunden nach dem Abfallen des Egels an und fördert die Reinigung des betroffenen Gewebes.
Egline besitzt entzündungshemmende Eigenschaften und trägt zur Schmerzlinderung bei. Es hemmt bestimmte Enzyme, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind. Hyaluronidase wiederum verbessert die Durchlässigkeit des Gewebes und erleichtert damit die Verteilung der anderen Wirkstoffe im behandelten Bereich.
Weitere Substanzen im Blutegelspeichel wirken antibakteriell, gefäßerweiternd und krampflösend. Diese natürliche Wirkstoffkombination macht die Blutegeltherapie zu einer ganzheitlichen Behandlungsmethode, die der Körper in der Regel gut verträgt. Die Wirkstoffe entfalten ihre Wirkung lokal am Bissort, aber auch systemisch im gesamten Organismus.
Anwendungsgebiete Der Blutegeltherapie
Die Blutegeltherapie findet in der modernen Medizin vielfältige Anwendung. Sowohl in der Schulmedizin als auch in der Naturheilkunde schätzen Therapeuten die breite Wirksamkeit dieser traditionellen Methode bei verschiedenen Erkrankungen.
Durchblutungsstörungen Und Venenleiden
Venöse Stauungen und Krampfadern gehören zu den klassischen Indikationen für eine Blutegelbehandlung. Die gerinnungshemmenden Wirkstoffe verbessern den venösen Abfluss und reduzieren Schwellungen in den betroffenen Bereichen. Patienten berichten häufig von einer deutlichen Linderung von Schweregefühl und Spannungsschmerzen in den Beinen.
Bei Thrombosen und deren Folgeerscheinungen kann die Blutegeltherapie ebenfalls unterstützend wirken. Besonders nach operativen Eingriffen, wenn es zu Durchblutungsstörungen oder Gewebestauungen kommt, setzen Ärzte häufig medizinische Blutegel ein. In der plastischen Chirurgie werden sie zur Rettung von Hauttransplantaten verwendet, wenn die venöse Drainage gestört ist.
Gelenkerkrankungen Und Schmerzen
Arthrose, rheumatische Beschwerden und Gelenkschmerzen sprechen oft gut auf die Blutegeltherapie an. Die entzündungshemmenden Wirkstoffe im Egelspeichel können Schwellungen reduzieren und die Beweglichkeit der Gelenke verbessern. Besonders bei Kniearthrose und Daumensattelgelenksarthrose gibt es positive Studienergebnisse.
Auch bei Sehnenscheidenentzündungen, Epicondylitis (Tennisarm) und anderen entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates zeigt die Behandlung mit Blutegeln gute Erfolge. Die Schmerzlinderung kann über Wochen bis Monate anhalten. Weitere Anwendungsgebiete umfassen Tinnitus, bestimmte Kopfschmerzformen und Hauterkrankungen wie Abszesse oder Furunkel.
Ablauf Einer Blutegelbehandlung
Eine Blutegeltherapie erfordert sorgfältige Vorbereitung und sollte ausschließlich von ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden. Der genaue Ablauf folgt einem bewährten Schema, das die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung gewährleistet.
Zunächst findet ein ausführliches Anamnesegespräch statt, in dem der Therapeut mögliche Kontraindikationen ausschließt. Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, unter Blutgerinnungsstörungen leiden oder schwanger sind, dürfen in der Regel nicht mit Blutegeln behandelt werden. Die Behandlungsstelle wird gründlich mit klarem Wasser gereinigt – Seife oder parfümierte Produkte würden die empfindlichen Tiere abschrecken.
Der Therapeut setzt dann je nach Indikation zwischen 2 und 10 Egel auf die markierte Hautstelle. Der Biss selbst wird oft als brennend oder stechend beschrieben, vergleichbar mit einem Brennnesselkontakt. Nach wenigen Minuten lässt das unangenehme Gefühl nach, da der Egelspeichel schmerzstillende Substanzen enthält. Während der Egel saugt, bewegt er sich wellenförmig – ein Zeichen dafür, dass er aktiv ist.
Nach 30 bis 90 Minuten lässt der gesättigte Egel von selbst los und fällt ab. Das Nachbluten ist gewünscht und Teil der therapeutischen Wirkung. Es kann bis zu 24 Stunden andauern und reinigt die Wunde auf natürliche Weise. Die Bissstellen werden mit sterilen, saugfähigen Verbänden abgedeckt. Patienten sollten für die Behandlung ausreichend Zeit einplanen und danach körperliche Anstrengung vermeiden.
Nachsorge Und Mögliche Nebenwirkungen
Die Nachsorge einer Blutegelbehandlung ist entscheidend für den Heilungserfolg. In den ersten 24 bis 48 Stunden nach der Therapie ist besondere Aufmerksamkeit gefordert, um Komplikationen zu vermeiden und die bestmögliche Wirkung zu erzielen.
Das anhaltende Nachbluten ist normal und therapeutisch erwünscht. Patienten sollten den Verband regelmäßig kontrollieren und bei Durchblutung wechseln. Die Bisswunden dürfen in den ersten Tagen nicht mit Wasser in Kontakt kommen, um Infektionen vorzubeugen. Kratzen sollte unbedingt vermieden werden, auch wenn ein leichter Juckreiz auftreten kann – dies ist ein Zeichen der Wundheilung.
Viele Patienten bemerken zunächst eine Erstverschlimmerung der Symptome, bevor die therapeutische Wirkung einsetzt. Dies ist eine typische Reaktion des Körpers und kein Grund zur Sorge. Die schmerzlindernde Wirkung tritt meist nach einigen Tagen ein und kann mehrere Wochen anhalten.
Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören lokale Reaktionen wie Rötungen, Schwellungen oder Blutergüsse im Bereich der Bissstellen. Selten kommt es zu allergischen Reaktionen auf die Wirkstoffe im Blutegelspeichel. Infektionen sind bei sachgemäßer Durchführung und hygienischer Nachsorge sehr selten. Die Bisswunden heilen in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen ab und hinterlassen kleine, sternförmige Narben.
Bei anhaltenden Schmerzen, starken Schwellungen, Fieber oder anderen ungewöhnlichen Symptomen sollten Patienten umgehend ihren Therapeuten oder Arzt kontaktieren. Die meisten Menschen vertragen die Blutegeltherapie jedoch gut und profitieren von der natürlichen Heilwirkung ohne nennenswerte Komplikationen.
Häufig gestellte Fragen zur Blutegeltherapie
Was sind medizinische Blutegel von Medirud und wie werden sie eingesetzt?
Medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) sind speziell unter strengen hygienischen Bedingungen gezüchtete Egel für therapeutische Zwecke. Medirud gehört zu den führenden Anbietern zertifizierter Blutegel, die nach Arzneimittelgesetz zugelassen sind und nach einmaliger Anwendung fachgerecht entsorgt werden.
Welche Wirkstoffe enthält der Speichel von Blutegeln?
Der Blutegelspeichel enthält über 100 bioaktive Substanzen, darunter Hirudin (gerinnungshemmend), Egline (entzündungshemmend) und Hyaluronidase (verbessert Gewebedurchlässigkeit). Diese natürliche Wirkstoffkombination fördert Durchblutung, lindert Schmerzen und hemmt Entzündungen.
Bei welchen Erkrankungen hilft die Blutegeltherapie am besten?
Die Blutegeltherapie wirkt besonders gut bei Durchblutungsstörungen, Krampfadern, Arthrose, rheumatischen Beschwerden und Gelenkschmerzen. Auch bei Sehnenscheidenentzündungen, Tennisarm und zur Rettung von Hauttransplantaten nach Operationen zeigt sie positive Erfolge.
Wie lange dauert eine Blutegelbehandlung und tut sie weh?
Der Saugvorgang dauert 30 bis 90 Minuten, wobei der Egel 10–20 ml Blut aufnimmt. Der Biss wird anfangs als brennend beschrieben, ähnlich einer Brennnessel, lässt aber schnell nach, da der Egelspeichel schmerzstillende Substanzen enthält.
Wie lange blutet die Wunde nach der Blutegeltherapie?
Das Nachbluten ist therapeutisch erwünscht und kann bis zu 24 Stunden andauern. Es reinigt die Wunde auf natürliche Weise. Die Bissstellen werden mit sterilen Verbänden abgedeckt und heilen innerhalb von zwei bis drei Wochen vollständig ab.
Gibt es Nebenwirkungen oder Risiken bei der Blutegeltherapie?
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören lokale Rötungen, Schwellungen oder leichter Juckreiz. Allergische Reaktionen sind selten. Patienten mit Blutgerinnungsstörungen, unter blutverdünnenden Medikamenten oder Schwangere dürfen nicht behandelt werden. Infektionen sind bei hygienischer Nachsorge sehr selten.

Ursula ist die Chefredakteurin des Apotheke Am Homburg